"Projektmanagement für angehende Ingenieurinnen und Ingenieure verständlich, praxisnah und auf Augenhöhe zu vermitteln, ist für mich weit mehr als die Weitergabe von Methoden."
Warum ich unterrichte
Projektmanagement begleitet mich seit vielen Jahren.
Als Konstrukteur, Projektleiter, Trainer und Hochschuldozent habe ich erlebt, wie unterschiedlich Menschen an Projekte herangehen.
Viele angehende Ingenieurinnen und Ingenieure begegnen dem Thema Projektmanagement zunächst mit einer gewissen Skepsis. Das kann ich gut verstehen.
Auch ich habe ursprünglich Technik gelernt. Mich interessierten Maschinen, Konstruktionen und technische Lösungen. Projektmanagement wirkte damals eher wie etwas, das zusätzlich erledigt werden musste.
Mit den Jahren habe ich jedoch erkannt, dass viele technische Herausforderungen gar nicht an der Technik scheitern. Oft sind es fehlende Entscheidungen, unklare Verantwortung, Missverständnisse oder mangelnde Zusammenarbeit, die ein Vorhaben schwierig machen.
Genau deshalb unterrichte ich.
Ich möchte Studierenden helfen, diese Zusammenhänge frühzeitig zu erkennen und sie auf Situationen vorzubereiten, die ihnen später in der Praxis begegnen werden.
Technisches Projektmanagement
Der Titel meiner Lehrveranstaltung lautet bewusst „Technisches Projektmanagement“.
Nicht, weil Projektmanagement nur für technische Projekte geeignet wäre. Sondern weil ich die Inhalte aus der Perspektive eines Ingenieurs vermittle.
Ich spreche die Sprache von Konstrukteuren, Entwicklern und Maschinenbauern, weil ich selbst diesen Weg gegangen bin. Ich kenne den Shopfloor. Ich kenne die Sprache in Werkstatt, Konstruktion und Entwicklung. Und ich weiß, dass dort häufig anders gesprochen wird als in Lehrbüchern, Handbüchern oder Managementpräsentationen.
Auf dem Shopfloor wird oft direkter gesprochen. Probleme werden selten hinter langen Formulierungen versteckt. Eine Lösung muss funktionieren, und eine Entscheidung muss im Arbeitsalltag tragfähig sein.
Diese Klarheit möchte ich in die Lehre übertragen, ohne dabei Respekt und Sorgfalt zu verlieren.
Warum Projektmanagement gerade für Ingenieure wichtig ist
Die Keimzelle technischer Innovationen liegt häufig in Entwicklung, Konstruktion und technischen Fachbereichen.
Genau dort werden später oft Projektleiterinnen und Projektleiter gefunden. Nicht unbedingt, weil sie diesen Weg von Anfang an geplant haben, sondern weil sie fachlich gut sind, Zusammenhänge verstehen und Verantwortung übernehmen.
Viele erhalten die Projektleitung zusätzlich zu ihrer eigentlichen Fachaufgabe. Sie sollen weiterentwickeln, konstruieren oder technische Probleme lösen und gleichzeitig Termine koordinieren, Entscheidungen vorbereiten, Risiken betrachten und unterschiedliche Interessen zusammenführen.
Meine Erfahrung zeigt: Projektmanagement sollte kein Nebenbeigeschäft sein.
Gute Projektarbeit benötigt Wissen, Übung, Reflexion und persönliche Entwicklung. Deshalb halte ich es für sinnvoll, dass Projektmanagement in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen einen festen Platz erhält.
Nicht, weil jede Ingenieurin und jeder Ingenieur später eine Projektleitung übernimmt. Aber fast alle werden in Projekten arbeiten, Verantwortung für Teilaufgaben tragen oder Entscheidungen in einem Projektumfeld vorbereiten müssen.
Wer die Grundlagen früh kennenlernt, kann später bewusster entscheiden, ob der eigene Weg stärker in die fachliche Entwicklung, in die Projektleitung oder in eine Verbindung beider Aufgaben führen soll.
Lehre auf Augenhöhe
Eine Sache war mir von Anfang an wichtig: Ich möchte Studierenden auf Augenhöhe begegnen.
Natürlich gibt es unterschiedliche Rollen. Ich bin Dozent und trage Verantwortung für die Lehrveranstaltung. Ich erwarte Respekt, Mitarbeit und Verbindlichkeit.
Genauso wichtig ist mir jedoch ein offener und respektvoller Austausch.
Ich habe selbst einmal im Hörsaal gesessen. Ich kenne die Unsicherheit vor Prüfungen. Ich kenne die Fragen, die man sich zu Beginn eines Berufswegs stellt. Und ich weiß, dass Lernen am besten funktioniert, wenn Menschen Fragen stellen dürfen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.
Deshalb sind Diskussionen ausdrücklich erwünscht. Widerspruch ist erlaubt, wenn er begründet und respektvoll vorgetragen wird.
Ich möchte nicht von oben herab erklären, wie die Welt angeblich funktioniert. Ich möchte Erfahrungen anbieten, Zusammenhänge sichtbar machen und gemeinsam mit den Studierenden prüfen, was davon in einer konkreten Situation trägt.
Nicht, weil ich auf jede Frage eine fertige Antwort habe. Sondern weil gute Fragen häufig wichtiger sind als schnelle Antworten.
Drei Blickwinkel auf dasselbe Thema
Während einer Lehrveranstaltung bewege ich mich bewusst zwischen drei Rollen. Manchmal wechsle ich dafür sogar meinen Standort im Raum. So wird sichtbar: Jetzt betrachten wir dasselbe Thema aus einer anderen Perspektive.
Der Dozent
In dieser Rolle vermittle ich Modelle, Methoden, Begriffe und Zusammenhänge.
Hier geht es um wissenschaftliche Grundlagen und um ein belastbares Verständnis von Projektmanagement. Die Studierenden sollen wissen, wie eine Methode aufgebaut ist, welchen Zweck sie erfüllt und welche Grenzen sie hat.
Der Projektleiter
In dieser Rolle erkläre ich, warum eine Methode in der Praxis überhaupt sinnvoll sein kann.
Warum benötigt ein Projekt einen belastbaren Auftrag? Warum hilft ein Projektstrukturplan? Warum entstehen Schwierigkeiten, wenn Verantwortung und Entscheidungswege unklar bleiben?
Hier wird aus Theorie praktische Erfahrung. Ich beschreibe nicht nur, wie eine Methode formal funktioniert, sondern was im Projekt geschieht, wenn sie sinnvoll angewendet oder gedankenlos weggelassen wird.
Der Trainer
In dieser Rolle erkläre ich nicht nur den Inhalt, sondern auch den Lern- und Gruppenprozess.
Warum stelle ich eine bestimmte Frage? Warum funktioniert eine Kreativmethode? Warum reagieren Gruppen unterschiedlich? Warum kann Schweigen Zustimmung bedeuten, aber ebenso Unsicherheit oder Ablehnung verbergen?
Wenn ich beispielsweise frage, ob eine Pause gemacht werden soll, und niemand antwortet, reicht mir das Schweigen als Zustimmung. Aus Sicht eines Projektleiters würde es mir nicht reichen und ich würde nachfragen, die Gruppe beobachten und die nonverbalen Reaktionen einbeziehen. Das macht den Unterschied in der Betrachtungsweise der Rolle.
An solchen einfachen Situationen lässt sich zeigen, warum Fragen, aktives Zuhören und bewusste Kommunikation im Projekt wichtig sind.
Dieser dritte Blickwinkel hilft den Studierenden, nicht nur Projektmanagementmethoden zu verstehen, sondern auch die Menschen und Dynamiken dahinter.
Lernen durch Geschichten
Menschen merken sich selten Definitionen. Menschen merken sich Geschichten.
Deshalb arbeite ich gern mit Beispielen, Metaphern und Situationen aus dem Alltag.
Manchmal geht es um technische Entwicklungen. Manchmal um Erfahrungen aus Projekten. Manchmal sogar um Situationen zu Hause.
Ein Badezimmer kann plötzlich zur „Wellnessoase“ und damit zum anschaulichen Projektbeispiel werden. Ein Gespräch am Küchentisch kann helfen, Erwartungen, Kommunikation oder Stakeholder besser zu verstehen.
Solche Bilder ersetzen nicht die fachliche Grundlage. Sie schaffen aber einen Zugang. Gerade Studierende verfügen noch nicht über jahrzehntelange Projekterfahrung, auf die sie zurückgreifen können. Eine verständliche Geschichte hilft ihnen, eine Methode mit einer konkreten Situation zu verbinden.
Oft entsteht genau dann der Moment, in dem jemand sagt: „Jetzt habe ich verstanden, warum wir das brauchen.“
Aufmerksamkeit entsteht nicht durch Unterhaltung allein
In meinen Lehrveranstaltungen erlebe ich die Studierenden aufmerksam und konzentriert, sowohl in Präsenz als auch in Online-Formaten.
Das führe ich nicht auf Show oder Unterhaltung zurück. Aufmerksamkeit entsteht aus meiner Sicht dann, wenn ein Thema erkennbar mit der späteren Praxis verbunden ist, wenn Fragen zugelassen werden und wenn Studierende selbst mitdenken müssen.
Eine Vorlesung darf lebendig sein. Sie muss aber immer einen fachlichen Kern behalten.
Was Studierende lernen sollen
Mir geht es nicht darum, möglichst viele Methoden in kurzer Zeit zu vermitteln.
Methoden kann man nachlesen. Entscheidend ist, zu verstehen, wann und warum sie helfen.
Wichtiger sind für mich Fragen wie:
Wie übernehme ich Verantwortung?
Wie treffe und unterstütze ich Entscheidungen?
Wie gehe ich mit Unsicherheit um?
Wie schaffe ich Orientierung?
Wie arbeite ich mit anderen Menschen zusammen?
Wie erkenne und bearbeite ich Risiken?
Wie gehe ich konstruktiv mit Konflikten um?
Projektmanagement wird dadurch mehr als ein Werkzeugkasten. Es wird somit eine Denk- und Handlungsweise.
Was ich von Studierenden lerne
Hochschullehre ist für mich keine Einbahnstraße.
Ich lerne selbst viel von meinen Studierenden. Sie stellen Fragen, die erfahrene Praktiker häufig nicht mehr stellen. Sie hinterfragen Annahmen und betrachten Situationen ohne die Gewohnheiten, die sich nach vielen Berufsjahren einschleichen können.
Nicht jede spontane Idee ist sofort umsetzbar. Aber sie kann einen festgefahrenen Blick öffnen.
Diese Offenheit hilft auch mir, Inhalte neu zu erklären, Beispiele zu überprüfen und meine eigene Haltung weiterzuentwickeln.
Deshalb ist jede Lehrveranstaltung auch für mich ein Lernprozess.
Wenn Projektmanagement mit nach Hause kommt
Eine besondere Erfahrung entstand, als meine beiden Söhne im Studium selbst das Fach Projektmanagement als Pflichtmodul (bei mir als Dozent) besuchen mussten.
Plötzlich endete das Thema nicht mehr an der Hochschule. Zu Hause wurde über Projektaufträge, Risiken, Entscheidungen, Rollen und Projektorganisation diskutiert.
Sehr zum Leidwesen meiner Frau saßen dann gelegentlich drei Ingenieure am Tisch und sprachen darüber, wie Projekte geplant, geführt und entschieden werden sollten.
Für mich waren diese Gespräche zugleich ungewohnt und schön. Meine Söhne kannten Projektmanagement nun nicht mehr nur aus meinen Erzählungen, sondern aus ihrer eigenen Auseinandersetzung mit dem Fach.
Dabei entstand kein einseitiges Lehrer-Schüler-Gespräch. Es wurde diskutiert, widersprochen und manches Argument aus einer neuen Perspektive betrachtet.
Diese Erfahrung hat mir erneut gezeigt: Projektmanagement ist nicht nur ein Hochschulthema. Es ist eine Denkweise, die uns überall dort begegnet, wo Menschen gemeinsam etwas erreichen wollen.
Dann tauchen fast automatisch dieselben Fragen auf: Wer übernimmt Verantwortung? Wer trifft Entscheidungen? Wie gehen wir vor? Und woran erkennen wir, dass wir erfolgreich sind?
Stimmen von Studierenden
Besonders freue ich mich über Rückmeldungen von Studierenden und ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Oft wird hervorgehoben, dass die Veranstaltung praxisnah, verständlich und lebendig ist, dass Beispiele aus dem Unternehmensalltag helfen und dass aktive Beteiligung ausdrücklich erwünscht ist.
Manche Inhalte erschließen sich vollständig erst dann, wenn die Studierenden später selbst in einem Projekt arbeiten. Genau darin liegt für mich der nachhaltige Wert der Lehre.
Die Lehrveranstaltung soll nicht nur auf eine Prüfung vorbereiten. Sie soll helfen, die Herausforderungen der späteren Praxis früher zu erkennen und bewusster mit ihnen umzugehen.
Mein Anliegen
Projektmanagement soll für Studierende kein trockenes Pflichtfach sein.
Es soll ein Werkzeug werden, das ihnen hilft, Ideen umzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit anderen Menschen belastbare Ergebnisse zu erreichen.
Wenn Studierende nach einer Lehrveranstaltung nicht nur eine Methode wiedergeben können, sondern eine andere Sicht auf Projekte, Zusammenarbeit und Verantwortung gewonnen haben, dann war die Veranstaltung erfolgreich.